BENSHEIM

Erstmals veranstaltete die Bensheimer Kolpingfamilie keine Prunksitzung, sondern lud stattdessen zu einem Kappenabend ins Kolpinghaus ein. Rund 40 Besucher ließen sich den Spaß am Samstagabend nicht entgehen und tauchten vier Stunden lang in ein Programm aus Musik und Büttenreden ab. Thomas Schröder führte durch den Abend und präsentierte einen abwechslungsreichen närrischen Reigen. Den musikalischen Part steuerte Peter Nenortas mit der passenden Liedauswahl bei. Er trug, begleitet von den Klängen seines Keyboards, Ohrwürmer und Schlager vor, die bis in die 50er Jahre zurückreichten, servierte pointiert gängige Fastnachts-Gassenhauer oder schlug Country-und-Western-Töne an.


Preise für die schönsten Kostüme

Die meisten Besucher hatten erkennbar viel Zeit in ihre Outfits investiert. Der Saal bildete ein entsprechend kunterbuntes Allerlei. Hier die Dame mit einer um den Hals geworfenen Krawattensammlung, die mittlerweile wie ein buntes Gefieder wirkte. Dabei handele es sich um die Ausbeute der letztjährigen Altweiberfastnacht, erklärte sie gut gelaunt. Dort die schnuckelige weiße Katze mit rosa Pfoten, die in einer ausgefeilten "Cats"-Bemalung daherkam, mit der sie in dem gleichnamigen Musical hätte mitwirken können. Oder die Dame, die das Leben an diesem Abend als diabolischer Engel auskosten wollte. Wenn die beiden "Kolpingsgeschwister" Josef Rösch und Brigitte Schmidt durch die Reihen marschierten, dann taten sie das unauffällig, aber doch mit offenen Augen. Schließlich waren sie quasi als Juroren unterwegs. Ihr Auftrag: Die Kostüme unter die Lupe nehmen. Die besten Verkleidungen galt es am Ende zu prämieren. Die Wahl fiel schließlich auf die soeben beschriebenen drei Damen, die mit hochkarätigen Preisen nach Hause gingen.


Zwischendurch servierten die Organisatoren eine bunte Programmfolge. Gerhard Woller stieg als beflissener Psychiater in die Bütt. Im Publikum sichtete er auch gleich den einen oder anderen Kandidaten, dem er einen Termin in seiner Sprechstunde empfahl. Dazu zählte er unter anderem Leute, die in feinem Sonntagszwirn und mit eng sitzender Krawatte und bis oben zugeknöpft auf einer Fastnachtssitzung erscheinen.

Als rasender Reporter unterwegs

Pfarrer Norbert Eisert schlüpfte in die Rolle des rasenden Reporters vom Bensheimer Wochenblatt, einem, wie er meinte, "Käsblatt", das einen Blick hinter die Kulissen wirft. Dem Reporter ging es um Lokalkolorit. Die Frage, ob es in der Region neben der Krönung zur Wein- und Blütenprinzessin auch eine "Miss Käs" geben wird, blieb indes offen.
Pfarrer Thomas Catta ließ sich in seinem königlichen Gewand auf einer Sänfte auf die Bühne tragen. In einer unterhaltsamen, in wohlgeformte Verse gekleideten Rede kündigte er den gekrönten Wein-, Blüten- und Spargel-Prinzessinnen männliche Konkurrenz an.


Einen Augenschmaus bildete die Bauchtanzgruppe "Arabesque", die die Besucher in die märchenhafte Atmosphäre von "1001 Nacht" entführte. In prachtvollen farbenfrohen Kostümen setzte sie orientalische Rhythmen choreographisch fein abgestimmt in Szene. Wehende Tücher und klimpernde Pailletten verstärkten den Eindruck. Nahtlos schlug die Gruppe den Bogen vom Orient zum Okzident, als sie in die Klangwelt des Swing und damit in die westliche Musikkultur der 50er Jahre eintauchte. Zugleich wechselte sie das Outfit und erschien nun in einem schwarz-roten Dress.


Zu vorgerückter Stunde zog das Heppenheimer Zugkomitee der Interessengemeinschaft Heppenheimer Fastnachtsumzug mit geballter musikalischer Kraft und einem lautstarken Auftritt ins Kolpinghaus ein. In der Montur von Knappen und Rittern bliesen sie Märsche und moderne Evergreens. Selbst Frau Zugmarschall Barbara Schaab war in die Tracht einer Burgfrau geschlüpft und präsentierte den diesjährigen Schirmherrn der Heppenheimer Straßenfastnacht: den "kecken Recken" Siegfried (Eibner). Der Besuch der Musikgruppe gehört seit eh und je zur Kolpingsfastnacht dazu und ist immer wieder ein willkommener Anlass, um sich gegenseitig mit Rivalitäten zwischen Bensheim und Heppenheim zu necken.

moni

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 08.02.2016